Technik im Rollstuhltanz
Rollstuhltanztechnik
Bei der Technik im Rollstuhltanzen sind folgende Komponenten von Bedeutung:
1. Körperposition
2. Bewegungsmöglichkeit des Rollstuhl-Tänzers ohne Kontakt zu seinem Partner ( Haltung)
3. Technik der Bewegungsformen
4. Musikalität im Rollstuhltanz
Grundlagen
1. Körperposition
Das Grundelement der Körperposition beider Partner ist eine aufrechte Haltung.
Wenn eine aufrechte Haltung angestrebt wird, muss sich das Becken ventral kippen.
Durch diese Kippbewegung wird, wie in einem Zahnradsystem, die Streckung im ganzen Körper bis hin zum Kopf erreicht.
Als Kontrolle der richtigen, aufrechten Sitzhaltung kann das Sitzen ohne die Hilfe durch die Rückenlehne des Rollstuhls dienen.
Die Schulterblätter sollten nie nach vorne und schon gar nicht nach oben genommen werden.
Ausnahmen, welche zu einer besseren Darstellung des Charakters eines Tanzens und dessen Interpretation dienen, sind natürlich erlaubt.
2. Schwerpunkt und Drehachse
Die oben beschriebene Körperhaltung ist besonders wichtig bei den Drehungen, egal ob Rollstuhl- oder Fußgänger-Tänzer.
Gedreht werden kann nur, wenn die Drehachse durch den Schwerpunkt erfolgt.
Die Schwerpunktachse liegt beim Rollstuhl-Tänzer durch seine Haltung anders als beim Fußgänger-Tänzer
Der Verlauf der Achsen hat direkte Auswirkungen auf die Führung und den Bewegungsablauf von Unterarmdrehungen.
Ein Rollstuhl-Tänzer kann sich in seinem Rollstuhl selbstverständlich nur vorwärts oder rückwärts bewegen.
Seitwärtsbewegungen sind nicht möglich.
Auch Drehungen sind mechanisch gesehen, Vorwärts- bzw. Rückwärtsbewegungen, da sich die einzelnen Räder entweder vorwärts oder rückwärts drehen.
3. Impulsrichtungen
Der Rollstuhl-Tänzer bekommt Impulse durch seinen Partner.
Der Impuls darf nicht als plötzlicher Kraftstoß verstanden werden.
Vielmehr ist es ein Anstoß, der gleichmäßig wächst, bis zu seinem Maximum.
Die Abstimmung von Zug- und Druckimpulsen muss gut abgestimmt sein und das Prinzip Kraft = Gegenkraft muss genau beachtet werden.
Besonders wichtig wird dieses bei der geschlossenen Armhaltung der Tanzpartner.
Grundformen der Bewegung
1. Grundformen am Ort
Unter Grundformen am Ort versteht man alle Bewegungen, die der Rollstuhl-Tänzer ohne
Fortbewegung ausführt.
Die Musik wird mit dem Oberkörper. Arm oder Kopf interpretiert.
2. Bewegungsmöglichkeiten von Rumpf, Schulter und Kopf
Die Bewegungen der Schulter entstehen durch Bewegungen des Oberkörpers ab etwa Unterkannte Brustkasten.
Sie bewegen sich nach rechts oder links, wobei die Schultern auf einer Ebene gehalten werden sollen.
Die Schultern können auch vorwärts und rückwärts bewegt werden, wobei der gesamte Oberkörper in einer gestreckten Haltung verbleiben soll.
Auch Rotationen im Oberkörper sind zulässig, wenn sich die Schulterachse ausgelöst durch die Oberkörperbewegung mitdreht.
Eine weitere Bewegungsmöglichkeit ist die Neigung. Unter Neigungen versteht man das Strecken der gegenüberliegenden Körperseite, zu der die Neigung erfolgen soll.
Um eine sichtbare Neigung zu erreichen, erlaubt man deshalb Rollstuhl-Tänzern das leicht Knicken der Körperseite, in die die Neigung ausgeführt werden soll.
3. Bewegungsmöglichkeiten der Arme
Rhythmische Armbewegungen dürfen niemals isoliert und eigenständig durchgeführt werden.
Armbewegungen des Rollstuhl-Tänzers entstehen aus Bewegungen des Körpers heraus.
Sie führen eine bereits vorhandene Körperbewegung weiter und machen diese ausdrucksstärker.
Die aufrechte Sitzhaltung und die Schulterlinien dürfen nicht beeinträchtigt werden.
Eine optische Unterstützung der Armbewegungen durch entsprechende Kopfführung ist möglich und erwünscht.
Alle Körper- und Armbewegungen müssen rhythmisch ausgeführt werden.
Dabei ist darauf zu achten, dass der Rollstuhl-Tänzer nicht dazu gezwungen wird, unnötig viele Bewegungen auszuführen.
Rhythmik und Takt ist hauptsächlich Lesbarkeit von Bewegung.
Einen Überhäufung von Armbewegungen und die des Körpers ist daher zu vermeiden, da dies zu Unlesbarkeit und somit zu „Hampeln" im Rollstuhl führt,
was nichts mit Umsetzung von Musik in Bewegung zu tun hat.
Grundformen der Fortbewegung
Dieses sind die Fortbewegungen im Raum, Drehungen und exakte Stops.
Wichtig hierbei ist die taktgenaue Bewegung der Hände am Greifrad.
Um die aufrechte Position im Rollstuhl beizubehalten, wird das Greifrad nur im vorderen Viertel angefasst.
Die Reduzierung der Griffmöglichkeiten auf den Bereich vom oberen Totpunkt zum unteren Totpunkt sichert die aufrechte Haltung des Rollstuhl - Fahrers während er sich fortbewegt.
Innerhalb dieses Bereiches sind alle Schub- und Zugaktionen möglich, die möglichst schnell und klein erfolgen sollen.
Eine exakte Festlegung, auf welchen Taktschlag in der Musik Aktionen am Greifrad ausgeführt werden sollen, ist nicht möglich, wie aufgrund des Trägheitsmomentes ganz schnelle Aktionen.
Beim Vorwärts- und Rückwärtstanzen hält der Rollstuhl-Tänzer seine Hände in der Grundposition.
Für das Vorwärtstanzen gilt folgendes:
In einer aktiven Bewegung nimmt der Rollstuhl - Fahrer das Rad fest in die Hand und führt es nach vorne.
Wenn er in seiner Endposition angekommen ist ( maximal der untere Totpunkt) lässt er die 1-Land dort liegen, um dem Betrachter zu zeigen, dass er den unteren Totpunkt nicht überschritten hat.
Dass Rad lässt er durch die Hände dabei rutschen.
Auf einen festen Taktschlag nimmt der Tänzer die Hände wieder schnell zurück in die Grundposition (passive Bewegung), von der er aus eine neue Aktion starten kann.
Für das Rückwärtstanzen mit Zugaktion gilt das gleiche, wie für das Vorwärtstanzen mit Schubaktion.
Der Zug ist nur schwieriger auszuführen aufgrund des mechanischen Aufbaus des Rollstuhls.
Die Schub- und Zugaktionen können sowohl mit einer Hand, als auch mit beiden Händen erfolgen.
Wenn eine Hand eine Schubaktion und die andere Hand eine Zugaktion ausführt, entsteht eine Drehung.
Eine Vorwärts - oder Rückwärtskurve wird beim Rollstuhl - Tanzen exakt so getanzt, dass das innere Rad, um das gedreht wird, sich ständig an der selben Stelle befindet und das äußere einen Kreisbogen beschreibt.
Dieses wird erreicht, wenn der Tänzer das innere Rad ruhig hält und mit dem äußeren Schub- oder Zugaktionen durchführt.
Bei zentrischen Drehungen kann der Rollstuhl - Tänzer sich um die Drehachse drehen, indem er mit einem Arm das Rad nach vorne und mit dem anderen Arm das andere Rad nach hinten bewegt, wobei der Arm mit der Zugaktion die meiste Arbeit leistet.
Kriterien für eine gute zentrische Drehung sind:
· die Arme haben sich, trotz unterschiedlichen Anteilen an der Bewegung, gegengleich zu bewegen
· die Arme sollen zeitgleich bewegt werden
· der Körperschwerpunkt muss in der Drehachse liegen, da die Drehungen sonst unrhythmisch und langsam werden
Exakte Stops können nur durch gleichmäßiges Abbremsen durch den Druck der Hand am Greifrad erreicht werden.
Die Gleichmäßigkeit des Abbremsens ist besonders wichtig, da die Räder beim plötzlichen Abbremsen blockieren können.
Beim Rollstuhl - Tanzen werden alle Grundformen (am Ort und in der Fortbewegung) miteinander kombiniert und durch Arm-, Schulter- und Kopfbewegungen angereichert.
Wichtig ist, dass alle zusätzlichen Bewegungen gut dosiert angewendet und die Rhythmusinterpretation und die Charakteristik des Tanzes unterstützt und nicht gestört werden.

