Kleidung für Menschen mit Behinderung
Haute Couture für Behinderte
Praktisch, passend und modisch – so soll die Kleidung sein, die Isabell Herzogenrath designt. Die Dormagener Bekleidungstechnikerin entwirft Mode für behinderte Menschen. Kunden im Umkreis von 150 Kilometern tragen ihre Maßanfertigungen.
Herzogenrath
Sortiment Isabelle Herzogenrath fertigt Damen-, Herren- und Kinderkleidung für behinderte und nichtbehinderte Menschen an
Preise Eine maßgeschneiderte Hose für Behinderte kostet rund 150 Euro, ein Hosenanzug zwischen 500 und 500 Euro
Delhoven Etwas im sozialen Bereich zu machen – "das ist nicht mein Ding", winkte Isabell Herzogenrath ab, als ihre Freundin ihr den Vorschlag unterbreitete, etwas für behinderte Menschen zu tun. Gut, dass sich die damalige Bekleidungstechnik-Studentin das noch einmal überlegte. Nach einer erfolgreichen Diplomarbeit zum Thema "Junge Mode für Rollstuhlfahrer" hat sich die 32-jährige Modeschöpferin selbstständig gemacht – auf dem elterlichen Hof in Dormagen. Dort entwirft und fertigt sie Kleidung – für behinderte und nicht-behinderte Kunden.
Mit ihr gibt es fünf Firmen, die Kleidung für Rollstuhlfahrer im Sortiment haben. "Aber entweder ist es knallbunt für Kinder oder eher altmodisch", sagt Isabell Herzogenrath. Ihr Anspruch: Passform und Funktionalität mit modischen Aspekten zu vereinen – und zwar mit gleicher Priorität. Dass Rollstuhlfahrer Mode brauchen, die auf die Sitzposition zugeschnitten ist und die sie selbst an- und ausziehen können, berücksichtigen die Produkte "von der Stange" nicht. "Es braucht Feingefühl und einen sensiblen Umgang", sagt die Diplom-Ingenieurin. "Ich muss rausbekommen, was die Kunden können und was sie brauchen." Ihre Muster und Schnitte hat sie immer weiterentwickelt: Wer seinen Rollstuhl selbst schiebt, benötigt komfortablen Platz an den Schultern.
Halbseitig gelähmte Kunden brauchen Alternativen zu Knöpfen und Reißverschluss, Kleinwüchsige und Menschen mit Down-Syndrom ganz neue Schnittmuster. Ehrlich ist sie zu allen Kunden: "Wenn ein Stil oder eine Farbe zu dem Kunden nicht passt, sage ich das offen." Etwa 20 Prozent ihrer Kundschaft machen die Körperbehinderten aus – darunter viele Stammkunden. Davon allein könnte die 32-Jährige jedoch nicht leben. "Nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern weil viele es einfach nicht wissen." Anfangs veranstaltete sie deshalbPräsentationen bei Selbsthilfegruppen und in Behinderten-Werkstätten. Mit den Maßanfertigungen fährt sie dann zu den Kunden – immerhin im Umkreis von 150 Kilometern. "Das ist mir wichtig, damit die Leute die nötigen Hilfsmittel zum Umziehen haben und in ihrer gewohnten Umgebung sind."
Mittlerweile will die junge Modefachfrau die Arbeit mit den behinderten Menschen nicht mehr missen. "Es macht großen Spaß, und das Feedback ist einfach viel stärker." Erst neulich fertigte sie für einen jungen Mann mit Down-Syndrom ein Sakko an. Vor dem Spiegel betrachtete er sich mit leuchtenden Augen. "Jetzt sehe ich aus wie James Bond", schwärmte er. Herzogenrath steckte die Begeisterung schnell an – "dafür mache ich das."
